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Wasserverschmutzung durch Bergbauminen beeinträchtigt die Landwirtschaft

Eine neue Studie zeigt, dass Pflanzen in Afrika flussabwärts von Bergbaustandorten weniger gesund sind. Da Daten zu den Auswirkungen fehlen, ist eine bessere Berichterstattung nötig.

Bergbauminen haben erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt, einschliesslich der Wasserversorgung. Eine neue Studie zeigt, dass in Afrika Pflanzen und Nutzpflanzen flussabwärts von Bergbaustandorten weniger gesund sind, wobei die stärksten Auswirkungen in fruchtbaren, dicht bewachsenen Gebieten und Regionen mit überwiegenden Goldminen auftreten.

Der Bergbau in Afrika nimmt rasant zu, was zum Teil auf die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen für die Energiewende zurückzuführen ist. Während Bergbauprojekte die lokale wirtschaftliche Entwicklung fördern können, erzeugen sie auch Verschmutzungen, die die umliegenden Gebiete beeinträchtigen – insbesondere dort, wo die Regulierung schwach ist. In einer kürzlich erschienenen Publikation zeigen Gustav Pirich, Doktorand an unserem Fachbereich, und seine Mitautoren*, dass bergbaubedingte Wasserverschmutzung die Vegetationsgesundheit flussabwärts verringert und zu erheblichen landwirtschaftlichen Einbussen führt.

Die Mineralgewinnung erfordert grosse Wassermengen, die sich mit aufgewühltem Boden und Gestein zu sogenannten Bergschlamm vermischen. Beim Verwittern setzen diese Bergeschlamm Schadstoffe in nahe gelegene Gewässer frei. In Verbindung mit chemischen Stoffen wie Quecksilber oder Natriumcyanid, die bei der Gewinnung eingesetzt werden, verunreinigen diese Schadstoffe Grundwasser und Ackerland, hemmen das Pflanzenwachstum und schädigen Ökosysteme.

Wasserverschmutzung durch Bergbau bewerten

Direkte Messungen der Wasserverunreinigung und der landwirtschaftlichen Erträge sind in weiten Teilen Afrikas selten. Mithilfe der Topografie identifizieren die Forschenden Gebiete, die von den Wasserströmen eines Bergbaustandorts betroffen sind: Wasser fliesst bergab, nicht bergauf. Diese Methodik wurde von Hydrologen zur Erstellung von Flussbeckendatensätzen verwendet, die den Abfluss von einem beliebigen Punkt aus kartieren (Lehner und Grill 2013). Standorte werden als flussabwärts eines Bergwerks (das dessen Wasser erhält) oder flussaufwärts (das es nicht erhält) klassifiziert. Abbildung 1 zeigt zwei Beckenabfolgen rund um Bergwerke.

Graph 1
Figure 1: Chains of river basins around two mines in Angola

Die Autoren der Studie vergleichen anschliessend flussaufwärts und flussabwärts gelegene Einzugsgebiete, um wasserübertragene Effekte zu identifizieren. Einfache Vergleiche können jedoch durch Störvariablen verfälscht werden (so können flussabwärts gelegene Gebiete beispielsweise grössere städtische Siedlungen aufweisen). Daher konzentrieren sie sich auf das unmittelbare Umfeld der Bergwerke und berücksichtigen wesentliche Störvariablen, um den durchschnittlichen Effekt der bergbaubedingten Wasserverschmutzung zu schätzen.

Verwaltungsdaten zu Bergwerken und landwirtschaftlicher Produktion sind selten. Die Forscher verwenden daher satellitengestützte Bergwerksabgrenzungen (industrielle sowie nahegelegene handwerkliche und kleingewerbliche Bergwerke; Maus et al. 2022) und messen Vegetationsmenge sowie -gesundheit mithilfe von Landnutzungskarten und dem Enhanced Vegetation Index (EVI).

Bergbau in Afrika verringert die Vegetation flussabwärts

Die Analyse zeigt, dass die Vegetation flussabwärts von Bergbau weniger gesund ist – sowohl hinsichtlich der Gesamtvegetation als auch bei Nutzflächen. Abbildung 2 fasst die Hauptergebnisse zusammen: Die Vegetationsgesundheit verändert sich flussaufwärts kaum, sinkt jedoch unmittelbar flussabwärts des Bergwerks deutlich ab und bleibt über mehrere Becken hinweg auf niedrigerem Niveau, bevor der Effekt mit der Entfernung abnimmt.

Graph 2
Figure 2: Average treatment effects

Die Forscher kontextualisieren diesen Rückgang mithilfe erhebungsbasierter Produktionsdaten, sofern verfügbar (IFPRI 2020; Bentze und Wollburg 2024), und schätzen konservativ jährliche Getreideverluste von 91.000 bis 205.000 Tonnen – was ungefähr 5 bis 12 % der vom Welternährungsprogramm im Jahr 2023 verteilten afrikanischen Nahrungsmittelhilfe entspricht.

Dies sind Durchschnittswerte über verschiedene Kontexte hinweg. Die Auswirkungen sind am stärksten in Westafrika, in dichter Vegetation und in Gebieten mit hoher Eignung für den Ackerbau; sie sind auch dort grösser, wo der Goldbergbau vorherrscht. Grösse und Wachstum der Bergwerke scheinen die flussabwärts gelegenen Auswirkungen nicht systematisch zu verändern.

Konsequenzen für die Bergbaupolitik

Die behördliche Aufsicht über Bergbauaktivitäten ist schwach, insbesondere in den am stärksten von Verschmutzung betroffenen Gebieten. Bergschlamm-Auffanganlagen fehlen häufig oder werden schlecht gewartet (Macklin et al. 2023), und viele Bergbaubetriebe operieren informell. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, schädliche Substanzen (z. B. Natriumcyanid) zu regulieren und eine langfristige Bergschlamm-Einlagerung für industrielle sowie handwerkliche Bergwerke sicherzustellen.

Daten zu Bergwerken und ihren Umweltauswirkungen sind nach wie vor rar: Die Informationen zu handwerklichen und kleingewerblichen Bergwerken sind begrenzt und selbst bei grossen Industriebetrieben oft lückenhaft. Satellitengestützte Messgrössen für Bergwerke und Landwirtschaft sind weitgehend vergleichbar, stellen jedoch grobe Näherungswerte dar. Eine bessere Berichterstattung und Datenlage würden die Reaktion auf Umweltrisiken stärken und Massnahmen zur Schadensbegrenzung verbessern.

 

* Lukas Vashold, Gustav Pirich, Maximilian Heinze, Nikolas Kuschnig, Downstream impacts of mines on agriculture in Africa, Journal of Development Economics, Volume 179, 2026.

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