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Fünf Fragen für Bernardo Silveira

Bernardo Silveira ist dem Department als Professor für Angewandte Mikroökonomie beigetreten.

Bernardo Silveira ist am 1. July dem Department als Professor für Angewandte Mikroökonomie beigetreten.

Woran arbeiten Sie derzeit in Ihrer Forschung?

Der Grossteil meiner Forschung befasst sich mit der empirischen Analyse von Situationen, in denen Informationsprobleme wie Moral Hazard und asymmetrische Information eine zentrale Rolle spielen. Im Laufe meiner Karriere habe ich untersucht, wie diese Probleme die Durchsetzung von Regulierungen, die Beilegung rechtlicher Streitigkeiten und die Ergebnisse von Verhandlungen beeinflussen. In jüngster Zeit erforsche ich, wie sie die Vergütung in professionellen Dienstleistungsberufen prägen.

Ausgangspunkt ist eine Lücke, die in der Volkswirtschaftslehre grosse Aufmerksamkeit erhalten hat: Arbeitnehmer werden häufig geringer entlohnt, als es ihrem Beitrag zum Unternehmen entspricht. Dieses Phänomen bezeichnen wir als "Lohnabschlag". Die Literatur hat sich bislang vor allem auf eine Erklärung konzentriert: die Marktmacht der Arbeitgeber. Weil Beschäftigte oft nur begrenzte Ausweichmöglichkeiten haben, können Unternehmen Löhne unterhalb des von den Arbeitnehmern geschaffenen Wertschöpfungsbeitrags zahlen. Solche Lohnabschläge sind problematisch, da sie zu einer ineffizienten Allokation von Ressourcen in der Wirtschaft führen.

Ich untersuche einen zweiten Mechanismus, der dieselbe Lücke aus ganz anderen Gründen hervorrufen kann. Unternehmen gestalten die Vergütung häufig so, dass sie zeitlich nachgelagert ist: In den frühen Karrierephasen verdienen Beschäftigte weniger, als sie beitragen, während sie später mehr verdienen, als ihrem aktuellen Beitrag entspricht. Dies schafft Leistungsanreize für jüngere Mitarbeitende. Wer gute Leistungen erbringt, bleibt im Unternehmen und profitiert später von den höheren Löhnen, die mit zunehmender Seniorität verbunden sind. Die anfängliche Lücke stellt daher nicht zwangsläufig eine dauerhafte Umverteilung von Arbeitnehmern zu Unternehmen dar.

Was ist der wichtigste Beitrag dieser Arbeit?

In unserer Studie "Monopsony and Backloaded Compensation: Theory and Evidence from Public Accountants" verwenden wir detaillierte Daten von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in den USA und finden genau dieses Muster: sehr hohe Lohnabschläge bei Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern, während erfahrene Buchhalterinnen und Buchhalter mehr erhalten, als ihrem direkten Beitrag entspricht. Dies passt zur Theorie der nachgelagerten Vergütung, schließt jedoch die Wirkung von Marktmacht allein noch nicht aus. Deshalb kombinieren wir die Datenanalyse mit einem Modell, in dem beide Mechanismen gleichzeitig wirken. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Faktoren relevant sind. Unternehmen in dieser Branche verfügen tatsächlich über Marktmacht gegenüber ihren Beschäftigten und drücken dadurch die Löhne. Gleichzeitig würden jedoch selbst bei vollständiger Beseitigung dieser Marktmacht rund 60 Prozent der von jungen Beschäftigten erfahrenen Lohnabschläge bestehen bleiben.

Die praktische Konsequenz ist, dass politische Massnahmen zur Verringerung von Lohnunterschieden innerhalb von Unternehmen, etwa Mindestlöhne oder Obergrenzen für Lohnverhältnisse, gleichzeitig auf zwei verschiedene Phänomene einwirken, von denen nur eines auf Arbeitgebermacht zurückzuführen ist. Ihre Ausgestaltung muss daher auch die Anreize für Beschäftigte berücksichtigen. Dieselbe Logik lässt sich wahrscheinlich auf die Rechtsberatung, die Unternehmensberatung und andere gut bezahlte Berufe mit ausgeprägten Karriere- und Senioritätsstufen übertragen.

Gibt es eine weitere wichtige Arbeit von Ihnen, die Sie erwähnen möchten?

In einem weiteren laufenden Forschungsprojekt untersuchen wir die langfristigen Anreize, die durch Arbeitsverträge in einem ganz anderen Umfeld geschaffen werden: Polizeibehörden in den Vereinigten Staaten. Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte stehen dort unter Druck, messbare Leistungsziele zu verbessern, häufig in Form von Verhaftungsstatistiken. Auf Grundlage von Daten aus Los Angeles zeigen wir, dass diese Kennzahlen tatsächlich die Beförderungschancen beeinflussen und dass Beamtinnen und Beamte darauf reagieren, indem sie mehr Verhaftungen vornehmen. Die Reaktion fällt jedoch vergleichsweise moderat aus, was darauf hindeutet, dass intrinsische Motivation eine wichtige Rolle für professionelles Verhalten in solchen Kontexten spielt.

Zudem stellen wir fest, dass die durch diese Anreizsysteme bedingte Zunahme von Verhaftungen mit einem Anstieg der gemeldeten Kriminalität einhergeht. Eine mögliche Erklärung ist, dass Polizeikräfte, die ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf Verhaftungen richten, weniger Ressourcen für andere kriminalitätsmindernde Tätigkeiten wie Streifendienst aufwenden. Unsere Ergebnisse mahnen daher zur Vorsicht, Anreizsysteme ausschließlich anhand der Verhaltensweisen zu beurteilen, die sie unmittelbar hervorrufen sollen.

Sie sind vor Kurzem an die UZH gekommen. Was hat Sie motiviert, nach Zürich zu wechseln?

Meine Forschung bewegt sich an der Schnittstelle verschiedener Bereiche der angewandten Mikroökonomie: Industrieökonomik, Recht und Ökonomie, Politische Ökonomie sowie Arbeitsmarktökonomik. Es gibt nur wenige Fakultäten, an denen all diese Disziplinen gleichzeitig stark vertreten sind. An den meisten Universitäten entscheidet man sich für ein "Heimatfach" und pflegt nur gelegentliche Verbindungen zu den anderen Bereichen. Zürich ist hier eine bemerkenswerte Ausnahme. Die intellektuelle Vielfalt ist aussergewöhnlich.

Auch persönlich war der Standortwechsel attraktiv. Meine Frau und ich haben Familie in Portugal und Italien, und es ist angenehm, nur einen kurzen Flug von ihnen entfernt zu sein statt einer langen Reise.

Wer inspiriert Ihre Arbeit?

Als akademischer Ökonom hatte ich das Privileg, viele meiner wissenschaftlichen Vorbilder persönlich kennenzulernen. Einer von ihnen, den ich leider nie treffen konnte, ist Jean-Jacques Laffont, der 2004 verstorben ist. Ein großer Teil dessen, was ich heute tue, nämlich Modelle zu Information und Anreizen mit realen Daten zu verbinden, existiert als Forschungsprogramm letztlich aufgrund seiner wegweisenden Arbeit.

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